BUNT-Projekt 2016 - Interkulturelle Küche aus regionalen Gärten

Seit 2012 werden junge Flüchtlinge in den ÖBZ-Gärten aktiv. Sie gärtnern in einer Parzelle des Wabengartens am ÖBZ. Angeleitet durch UmweltpädagogInnen des Ökologischen Bildungszentrums und einer Sozialpädagogin des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch wird der Garten gemeinsam geplant und bestellt. Das selbstgezogene und geerntete Gemüse wird dann für gemeinsame Mahlzeiten verkocht. In diesem Jahr begleiten die Jugendlichen das Projekt auch direkt mit einem eigenen Blog im Internet. So entsteht eine Sammlung von Erfahrungen, Rezepten und viel bunten Gerichten.
 
 
Anknüpfend an die UN-Dekade „Biologische Vielfalt" bringen die jungen Menschen sich selbst, ihre kulturellen Wurzeln und Hintergründe sowie ihre Kompetenzen und Wünsche ein und gestalten die Vielfalt in ihrer Gartenparzelle selbst. Darüber hinaus erhalten sie über die Bienengruppe des MUZ einen praktischen Einblick in das Imkern und stärken durch das Bloggen ihre Medienkompetenz.
Die Jungen und Mädchen sind in der Regel im Alter zwischen 16 und 18 Jahren und kommen aus Ländern wie Afghanistan, Eritrea, Syrien und anderen Krisenregionen der Welt.
 
Dieses Gartenprojekt ist eine besondere Form des interkulturellen urbanen Gärtnerns zur Selbstversorgung und Integration/Inklusion der Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen. Sie eint lediglich das Alter und die ähnlichen Lebensumstände. Als unbegleitete Flüchtlinge allein in Bayern angekommen und in unserem Land ohne familiäre Bindung zu leben, auf der Suche nach gesellschaftlicher Teilhabe. Neben dem reinen Gärtnern bietet der Wabengarten die Möglichkeit, mit anderen Gärtnern des Wabengartens im Gemeinschaftsgarten zusammenzukommen und sich auszutauschen und an den Erfahrungen anderer Gärtner zu partizipieren.
 

Video: BUNT Projekt 2015 from Marc Haug on Vimeo.

Die Jugendlichen greifen die Essgewohnheiten aus ihren Heimatländern auf und lernen vieles neu kennen. Schon bei der Pflanzenauswahl wird gemeinsam geplant, welche Pflanzen in das Beet kommen. So kann jedeR Jugendliche eigenes Bekanntes einbringen und Neues kennenlernen.
 
Die gemeinsamen Kochaktionen stärken die Gemeinschaft und fördern den Kontakt untereinander. Sie sind ebenso ein Austauschforum zur Grundlage einer gesunden Ernährung sein. Ideal lässt sich hierbei der Anbau der von Nahrungsmitteln mit dem Thema Essen/Ernährung verknüpfen und im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung anschaulich vermitteln.
 
Über das Gärtnern im Gemeinschaftsgarten werden zahlreiche Kompetenzen, wie z.B. vorausschauendes Denken und gemeinsames Planen, z.B. durch die Planung der Anlage der Gartenfläche, die Zusammenstellung der Pflanzen u.a. gefördert. Dabei werden die kulturellen Vorlieben und Hintergründe der Jugendlichen in die Auswahl der Pflanzen, dem Anbau und der Kultivierung heimischer Nahrungspflanzen für heimische Gerichte aufgegriffen, um ihnen das „Verwurzeln" zu erleichtern.
 
Im Mittelpunkt steht die Partizipation. Die Jugendlichen gestalten ihr Beet gemeinsam und ernten die „Früchte". Durch das gemeinsame Planen, etwa in den zu pflanzenden Sorten, dem Erstellen des Arbeitsplans, dem Einbringen von Kochideen und Gerichten, erfahren die Jugendlichen auf praktischer Ebene, dass sie sich an Prozessen beteiligen können. Sie lernen dabei Formen der ökologischen, nachhaltigen und gesunden Lebensmittelproduktion und Selbstversorgung in der Großstadt kennen. Das Gärtnern ermöglicht den Jugendlichen, sich handwerkliche und gärtnerische Fähigkeiten anzueignen und darüber hinaus durch den Austausch in der Gemeinschaft Sprachkenntnisse zu erwerben. Gleichzeitig lernen sie durch andere Gärtner beim gemeinsamen Essen neue Gerichte und andere Esskulturen kennen.
 
Das Interview des Magazins der Gartenbau GmbH mit Marc Haug beleuchtet ebenfalls die Hintergründe unserer Arbeit mit Flüchtlingen. Hier geht's zum Interview.
 
Eine Zusammenfassung des Projektes und sein Bezug in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) ist auf der neu gestalteten Seite der ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung) Bayern zu finden. mehr
 
In seiner Sendung am 30. Mai 2016 hat das Bayerische Fernsehen im Magazin "Unkraut" über mehrere der Umweltbildungsprojekte berichtet, darunter auch das im ÖBZ. mehr

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Münchner Umwelt-Zentrum e.V. und dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
 
 
 
Gefördert wurde es durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und die Heidehof-Stiftung

 
 
Im März 2015 informierte sich der damalige bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber über das Projekt.