Selbstversorgung in der Stadt - Aktionstag zum Münchner Klimaherbst 2012



Bei strahlendem Sonnenschein stand der Aktionstag am 21. Oktober im Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) ganz im Zeichen des Münchner Klimaherbstes. Mit verschiedensten Beiträgen rund um das Thema Ernährung in der Stadt rückten das ÖBZ und seine zahlreichen Kooperationspartner die Nahrungsmittelversorgung der Stadtbevölkerung in den Mittelpunkt, was über 450 interessierte Besucherinnen und Besucher anlockte.

An Probier- und Schauständen zeigten die urbanen Gärtner des ÖBZ-Experimentiergartens Möglichkeiten einer gesunden, regionalen und saisonalen Ernährung. Besucherinnen und Besucher konnten alte Wurzel- und Gemüsesorten kennen lernen, frische Falafel, pikante Kräuterpesti, Bohnenpürees und -salate probieren und unter einer Vielzahl an Marmeladen, Chutneys und Pesti für Daheim auswählen. Wer sogar noch Lust auf mehr bekam, erhielt bei den ehrenamtlichen Gärtnerinnen und Gärtnern Tipps zum Anbau der verschiedensten Sorten und konnte sich gleich für die kommende Gartensaison mit Saatgut aus der Saatguttauschbörse eindecken, in der z.B. neben allerlei Gemüsesorten auch über 80 verschiedene Bohnensorten vertreten sind. Die inzwischen reichhaltigen Erfahrungen rund um die Bohnen sind in dem Bohnenkalender 2013 zusammen getragen, der neben der Bohnenvielfalt insbesondere kulturelle und nachhaltige Aspekte der Ernährung mit Hülsenfrüchten aufgreift.
Für das leibliche Wohl der BesucherInnen sorgten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Sonntagscafés.

Unter dem Motto „Vom Acker auf den Teller – Mahlzeit" zeigten Kooperationspartner an Infoständen und einem Bauermarkt den Besucherinnen und Besuchern Möglichkeiten auf, sich auch ohne eigenen Garten in München mit regional produzierten Nahrungsmitteln gut zu ernähren.

Frau Weiss stellte das Netzwerk „Unser Land" und seine Ziele der regionalen, nachhaltigen Versorgung und Vermarktung vor. Darüber hinaus legte Sie ein besonderes Augenmerk auf den Anbau gentechnikfreien Sojas innerhalb des Netzwerks, welche u.a. zur Fütterung von Geflügel oder Fisch genutzt wird. Dieser geschlossene und transparente Kreislauf bietet den Verbrauchern die Sicherheit, z.B. gentechnikfreie Eier zu erwerben zu können. Daraus produzierte Nudeln konnten am Unser Land-Infostand als Nudelsalat probiert werden, abgerundet durch ein Stück geräucherten Saibling.

In seinem Vortrag stellte Johannes Bucej von der Initiative Slow Food München das Konzept der „Genussgemeinschaft Städter und Bauern" vor, in der Verbraucher direkt mit verschiedenen Höfen kooperieren und auf diese Weise eine solidarische Gemeinschaft zwischen Stadt und Land entsteht. Mit den Biobauern Herr Lenz aus Zorneding sowie Herr Haase vom Leitzachtaler Ziegenhof aus Fischbachau hatten die Besucherinnen und Besucher zwei Produzenten vor Ort, die ihnen einen direkten und persönlichen Einblick in ihre Betriebe boten. Deren Produkte konnten auf dem kleinen Bauernmarkt auf dem Vorplatz des ÖBZ gleich probiert und erworben werden.

Als eine komfortable Form der Versorgung mit gesunden, regional produzierten Nahrungsmitteln stellte Frau Kinzelmann die Ökokiste vor. Die Möglichkeiten, sich eine Kiste zusammen zu stellen sind vielfältig: von individuell bis zu bestimmten Standards – und das unabhängig von Ladenöffnungszeiten, sie wird direkt bis vor die Haustür geliefert. Dabei zeigte sie auch auf, von welchen regionalen Produzenten die Produkte, seien es frisches Gemüse oder Nudeln bezogen werden. Auch die Ökokiste bot auf dem Bauernmarkt etwas zum Probieren sowie Kisten voll frischem Gemüse, Kartoffeln und anderen Produkten an, die direkt erworben werden konnten.

Mit der Waldgärtnerei Siggi Fuchs und dem Kartoffelkombinat von Daniel Überall stellten sich zwei Vertreter solidarischer Wirtschaftsgemeinschaften vor, die bei gleichen Ansätzen jedoch unterschiedlich organisiert sind. Gegen einen festen Jahresbeitrag versorgen ihre Gärtnereien eine bestimmte Anzahl von Menschen der Wirtschaftsgemeinschaft mit saisonalem Obst und Gemüse. Somit können diese ohne ökonomische Zwänge wirtschaften. Im Anschluss entstand ein angeregter Austausch und es wurden wertvolle neue Kontakte geknüpft.

Abschließend berichtete Dr. Immo Fiebrig in seinem Reisebericht von der „DeIndustriealisierung zur essbaren Stadt: Detroit City Farming". Er begleitete den als "Rebel Farmer" bekannten Permakulturpionier Sepp Holzer auf seiner US-Seminartour und schilderte, welche Situation sie in Detroit vorfanden und wie sie die Bewohner unterstützen konnten. Die ehemalige Vorzeigestadt Nordamerikas hat als Zentrum der Autoindustrie seit den 1960er Jahren eine zunehmende Deindustrialisierung erlebt. Viele arbeitslose Menschen helfen sich inzwischen selbst und beginnen, brachliegende Flächen in urbane Bauernhöfe umzuwandeln. Über 2.000 Stadtfarmen sind auf diese Weise entstanden.

Erstmalig fand am Vormittag ein Brotbackkurs für Erwachsene mit der Dozentin Christine Nimmerfall in dem neu erstellten Lehmofen am ÖBZ statt. Bei strahlendem Sonnenschein wurde im Freien Brot gebacken wie zu Großmutters Zeiten und anschließend dieses mit köstlichen, selbstgemachten Brotaufstrichen verzehrt. Am Nachmittag waren dann die Kinder dran, sich auch beim Brötchenbacken zu versuchen und diese mit selbstgemachter Kräuterbutter zu verspeisen.

Die Ausstellung der Siegerfotos des Kinder-Foto-Wettbewerbs "Natur im Fokus" wurde mit einer Vernissage eröffnet. Die Redner Dr. Michael Apel vom Museum Mensch und Natur, Rudolf Huber vom Sparkassenverband Bayern, Hans-Dieter Schuster vom Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und Dr. Christian Suchomel vom Ökologischen Bildungszentrum würdigten die sehenswerten Fotos des Wettbewerbs. Die Ausstellung tourte durch ganz Bayern und findet im ÖBZ ihre vorerst letzte Station.